Oberboihinger Jahrhundertprojekt

„Beseitigung der Bahnübergänge/Verlegung der Ortsdurchfahrt der L 1250“

Meilenstein zur Verbesserung der Attraktivität und Lebensqualität in der Ortsmitte

Ein kommunalpolitischer Aufgabenschwerpunkt war seit 1985 die Planung und Realisierung des Oberboihinger Jahrhundertprojektes „Beseitigung der drei schienengleichen Bahnübergänge/Verlegung der Ortsdurchfahrt der L 1250“ zur Entlastung des Ortskerns auf die westliche Seite der Bahnlinie.
Nach einer 25-jährigen Planungsphase feierte die Oberboihinger Bürgerschaft den offiziellen Baubeginn am 18. August 2009 mit einem Fest in der Bahnhofstraße. Die feierliche Verkehrsfreigabe nach vierjähriger Bauzeit am 21. November 2013 im Beisein von Verkehrsminister Hermann und Regierungspräsident Schmalzl war ein historisches Ereignis in der 650-jährigen Ortsgeschichte. Am 4. Juli 2014 endeten die Feierlichkeiten zur Fertigstellung des Oberboihinger Jahrhundertprojektes sowie der 2013/2014 durchgeführten Folgemaßnahmen - Straßenraumgestaltung Bahnhofstraße, Umgestaltung des Knotenpunktes Nürtinger Straße/Steigstraße, Herstellung von 70 Parkplätzen entlang der neuen L1 250 in der Daimlerstraße und des Parkplatzes Bachstraße - mit einem fröhlichen  Abschlussfest in der Bahnhofstraße.
Durch das größte Oberboihinger Verkehrsprojekt aller Zeiten und die neue Verkehrsführung sind die beiden Ortshälften, die seit 1859 durch die Bahnlinie getrennt waren, wieder enger zusammengerückt. Der Gemeinde ist es dadurch gelungen, die Attraktivität und Lebensqualität in der Ortsmitte zu verbessern.

Bauabschnitt 1 - Kreisverkehr "NORD" mit Brückenbauwerk Froschländer”

Als erste Baumaßnahme wurde im Gewann "Froschländer" eine Straßenüberführung über die Bahn hergestellt. Diese Kreisverkehrsbrücke verbindet die neue Landesstraße L 1250 (Daimlerstraße) mit der bestehenden L 1250 (Unterboihinger Straße).
Der Kreisverkehr "NORD" dient auch der Erschließung des Gewerbegebietes "Hinter der Burg/Gräben/Öhmdwiesen". Die Radwegeführung wurde durch die Anlegung eines zusätzlichen Geh- und Radweges vom Kreisverkehr zum Meisenweg ergänzt.

Bauabschnitt 2 - Zentrale Unterführung/Bahnhof/Mörike-/Nürtinger Straße/Fußgängerunterführung „Hintere Straße“

Als Ersatz für den Bahnübergang Hintere Straße wurde eine Fußgängerunterführung zwischen Hintere Straße und Burghofstraße realisiert. 
Die zentrale Straßenunterführung unter der Bahn und der neuen L 1250 für den Kfz-Verkehr wurde zwischen Nürtinger Straße und Mörikestraße auf Höhe des Rathauses erstellt. Hier wird der innerörtliche Verkehr über die Mörike- und Neckarstraße auf die neue bahnparallele L 1250 geleitet. Die Unterführung hat eine lichte Höhe von 4,70 m. Abgesetzt von der Fahrbahn verläuft der Geh- und Radweg mit einer lichten Höhe von 2,50 m. Zu dem in unmittelbarer Nachbarschaft liegenden Bahnhof und zu den Bahnsteigen besteht eine direkte fußläufige Verbindung (Treppe/behindertengerechte Rampe). Die Bahnsteige östlich und westlich der Bahngleise wurden Richtung Norden verlegt.
Auf Höhe Burghofstraße/Hintere Straße wurde ein direkter Zugang auf die Bahnsteige (Rampe) geschaffen. Ein zusätzlicher Zugang/Treppe auf den östlichen Bahnsteig wurde von der Bachstraße angelegt.
Die Verlegung der Bahnsteige und die erweiterten Zugangsmöglichkeiten für die Fahrgäste führen zu einer besseren Anbindung des Haltepunktes Oberboihingen.

Bauabschnitt 3 - Kreisverkehr "SÜD" Nürtinger Straße; Geh- und Radwegunterführung "Nürtinger Straße" Neue Ortsdurchfahrt L 1250 - Anbindung an Daimlerstraße

Eine weitere Fußgängerunterführung unter der Bahn und der neuen L 1250 wurde im Bereich des jetzigen Bahnüberganges in der Nürtinger Straße geplant. Diese knüpft einerseits an eine Fußwegverbindung zur Mörikestraße und zum anderen an den bereits vorab hergestellten Kreisverkehr "SÜD" in der Nürtinger Straße an. 
Die Landesstraße L 1250 wurde auf die westliche Seite der Bahnlinie verlegt. Dazu wurde ein neuer Straßenabschnitt zwischen dem Kreisverkehr "SÜD" und der bestehenden Daimlerstraße gebaut. Über die Neckarstraße und Mörikestraße erreicht man die zentrale Unterführung, die in die Ortsmitte führt. Im weiteren Verlauf wurde die bestehende Daimlerstraße, welche die Funktion einer Erschließungsstraße des Gewerbegebietes "Hinter der Burg/Gräben/Öhmdwiesen" hat, zur L 1250 umgewidmet.
Im Zuge des Umbaus wurde eine Linksabbiegespur von der Daimlerstraße in die Siemensstraße hergestellt. Als Lärmschutzmaßnahmen sind entsprechend den Berechnungsergebnissen im Bebauungsplan aktive Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzwand) und passive Lärmschutzmaßnahmen erstellt worden.

Umgestaltung der Bahnhofstraße

Auf der Grundlage eines städtebaulichen Gestaltungskonzeptes des Büros Baldauf Architekten und Stadtplaner GmbH, Stuttgart bzw. des Planentwurfs des Ingenieurbüros Karajan, Stuttgart wurde als Folgemaßnahme die Bahnhofstraße von einer stark befahrenen Straße zur verkehrsberuhigten Zone umgestaltet und durch die Pflanzung von Bäumen begrünt. Der Straßenraum wurde mit einem Pflasterbelag ausgestattet, eine Wendeanlage vor dem Bahnhofsvorplatz wurde optisch entsprechend hervorgehoben und auf der Nordseite Parkplätze hergestellt. Im Bereich des Bahnhofsvorplatzes wurden ebenfalls Bäume gepflanzt. Als Zugang zum Bahnhof und zum Bahnsteig wurde eine großzügige Treppenanlage in Verbindung mit einer behindertengerechten Rampe geschaffen.
Als Highlight am Bahnhofsvorplatz wurde die Silhouette einer alten Dampflok aus Cortenstahl und die historische Bahnschranke installiert. Dies erinnert somit an die von Hand betriebenen Bahnübergänge im Ort und trennt gleichzeitig Bahnhofstraße und Bahnschienen deutlich voneinander ab.