Lokale Agenda 21

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Versuch einer Klärung von Begriffen und Zusammenhängen in einer allgemein verständlichen Form.

Was bedeutet "Lokale Agenda 21"?

Agenda

"Agenda" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "was zu tun ist". In der Regel wird dieses Wort gleichgesetzt mit "Arbeitsprogramm", "Tagesordnung" oder "Aufgabenliste".

21

Die 21 steht für das 21. Jahrhundert. Da wir uns am Anfang dieses Jahrhunderts befinden, kann die 21 auch mit "Zukunft" gleichgesetzt werden. Bei "Agenda 21" geht es also um ein "Aufgabenliste für unsere Zukunft".

Lokal

"Lokal" bedeutet "örtlich" oder "ortsbezogen". Im Zusammenhang mit der Agenda bezieht sich dieses "lokal" auf eine Gemeinde oder den einzelnen Bürger. "Lokale Agenda 21" könnte also mit "Aufgabenliste der Gemeinde für unsere Zukunft" gleichgesetzt werden.

Woher stammt dieser Begriff?

1992 fand in Rio de Janeiro die "UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED)" statt. Im Vordergrund stand dabei das Thema "Umwelt- und Naturschutz". Von den Teilnehmern wurde in der sogenannten "Agenda 21" vereinbart, dass das Erdklima international geschützt werden soll. Das wohl bekannteste Stichwort in diesem Zusammenhang sind die sogenannten "Treibhausgase", wie z.B. Kohlendioxid (CO2), deren Entstehung deutlich verringert werden muß.

Global denken - lokal handeln

Da die Umwelt vor der eigenen Haustür beginnt, ist jeder Bürger aufgefordert, sich an dieser Aufgabe zu beteiligen. Und da die Kommune (Stadt, Gemeinde) die Einheit ist, die der Bevölkerung am nächsten ist, wird in der "Agenda 21" gefordert, dass jede Kommune eine "Lokale Agenda 21", also ein ortsbezogenes Konzept zum Schutz der Umwelt für die Zukunft, auszuarbeiten hat.

"Nachhaltige Entwicklung"

Dieser Begriff wird heutzutage oft im Zusammenhang mit der Lokalen Agenda genannt. Dabei kennt man diesen Begriff, bzw. den Begriff "Nachhaltigkeit" bereits seit langem in der Forstwirtschaft. Bereits 1795 schrieb Georg Ludwig Hartig, daß die Wälder so zu nutzen seien, "dass die Nachkommenschaft ebensoviel Vorteile daraus ziehen kann, als sich die jetzt lebende Generation zueignet". Oder anders ausgedrückt: Es dürfen immer nur so viele Bäume geschlagen werden, wie in einem bestimmten Zeitraum wieder nachwachsen können.

Auf den privaten Haushalt eines Bürgers übertragen würde dies bedeuten, dass man immer nur von den Erträgen seiner Arbeit lebt. Man gibt also nie mehr aus als man hat. Jede Aufnahme eines Kredites würde die Nachhaltigkeit stören, denn dann müsste man in der Zukunft die Schulden der Vergangenheit abtragen. Mit der Aufnahme des Kredites könnte man sich dann zwar momentan mehr "leisten", dafür in der Zukunft aber weniger.

Schonender und bewusster Umgang mit den natürlichen Resourcen

"Natürliche Ressourcen", das ist alles was uns die Natur an Nutzbarem bietet: Luft, Wasser und Nahrung zur Befriedigung unserer Grundbedürfnisse, aber auch Baustoffe und sogenannte "Energieträger" wie z.B. Erdöl, Kohle oder Gas. Nur bei einer nachhaltigen Entwicklung ist sichergestellt, dass auch noch spätere Generationen den gleichen Nutzen aus der Natur ziehen können wie wir. Auch sie sollen genügend (gute) Luft, Wasser und Nahrung vorfinden, sowie all die anderen Dinge, die für ein angenehmes Leben benötigt werden. Daher müssen wir uns bewusst werden, wie sich unser heutiges Verhalten und unsere heutigen Entscheidungen auf die Welt in 50 oder 100 Jahren auswirken. Wir dürfen keinen "Natur-Kredit" aufnehmen, den unsere Kinder und Kindeskinder dann zurückzahlen müssen, indem sie beispielsweise mit schlechterer Luft, schlechterem Wasser oder schlechterer Nahrung leben müssen. Wir müssen herausfinden, wo wir mit unserem Verhalten "im Minus liegen" und Wege finden, die uns aus dieser Lage wieder herausbringen.

Soziale und Wirtschaftliche Aspekte

In der Wirtschaft steht der Gewinn an vorderster Stelle. Die Einnahmen aus dem Verkauf eines Produktes müssen höher sein als die Kosten, die im Zuge der Herstellung entstehen. Und Umweltschutz kostet in der Regel Geld, und wird daher von der Wirtschaft nur akzeptiert werden, wenn sich die Kosten dafür in bestimmten Grenzen halten. Dies sollte beim Ausarbeiten eines Konzeptes immer mit berücksichtigt werden.

Eng verknüpft mit dem wirtschaftlichen ist auch der soziale Aspekt. Jeder Mensch hat seine Vorstellung von einem angenehmen Leben. Wenn es aber für einen Teil der Bevölkerung schwierig wird, dieses angenehme Leben führen zu können, weil es auf Grund des Umweltschutzes einfach zu teuer wird, wird es schwierig, eine breite Zustimmung für einen Schutz der Umwelt zu bekommen.

Das Zieldreieck der Agenda 21

Es gibt eine einfache Leitfrage mit der sich grob einschätzen lässt, inwieweit Entscheidungen und Projekte im Sinne der "Agenda 21" sind:

Welche Auswirkungen hat es auf die Wirtschaft, die Umwelt und das Zusammenleben der Menschen?

Dieser Zusammenhang zwischen Wirtschaft, Umwelt und dem Menschen wird in einem Dreieck dargestellt:

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Das Ziel der Agenda 21 ist es, alle 3 Bereiche gewinnen zu lassen.

Der Agenda-Prozess in Oberboihingen im Überblick

22. März 2000

Grundsatzbeschluss des Gemeinderats für die Erarbeitung einer Lokalen Agenda 21 für Oberboihingen

12. April 2000

Erstes Planungsgespräch zwischen Moderatoren und Gemeindeverwaltung

24. Mai 2000

Vorstellung des geplanten Prozessablaufs im Gemeinderat

3./4. Juni 2000

Informationsstand auf dem Oberboihinger Schäfermarkt

19. September 2000

Auftaktveranstaltung: Was ist die Lokale Agenda 21 und Vorstellung der Zukunftswerkstatt

29. September 2000

Zukunftswerkstatt unter dem Motto „Gemeinsam Aktiv für Oberboihingen“

9. Oktober 2000

Bildung der 4 Arbeitskreise

  • Dorfkultur und Soziales
  • Verkehr
  • Alternative Energien (ALEOB)
  • Dorf- und Landschaftsgestaltung

Gemeinsamer Beginn der Arbeitskreise mit konstituierender Sitzung und Themen-/Projektauswahl